7. Juni 2011

Muss man Rosen mögen?

Es gibt Pflanzen, die von vielen Menschen im Garten verwendet werden, die fast jeder hübsch findet und die anspruchslos genug sind, in vielerlei Gartenböden und mit den unterschiedlichsten Klimaeinflüssen klarzukommen. Manchmal sind es auch Gattungen, die so viele verschiedene Arten beinhalten, dass für fast jeden Garten ein paar dabei sind, die unproblematisch gedeihen - Geranium etwa, Campanula oder Papaver, um nur ein paar Kandidaten zu nennen. Bei jeder diese Pflanzen ist es kein Problem, sie nicht zu mögen. Ich habe noch nie Diskussionen gehört, wo jemand ungläubig befragt worden wäre, weshalb er keinen Phlox mag, Epimedium nicht liebt oder nie und nimmer einen Rittersporn kaufen würde.


Aber wehe, man mag keine Rosen. Übt man sich beim Thema Rosen in Zurückhaltung oder äußert gar Missfallen, wird man sofort schief angesehen: "Was, du magst keine Rosen?" Und dann, nach wenigen Sekunden, ungläubig: "Warum?" Leider ist es nicht möglich, sich mit Begründungen wie wahlweise glänzendes Laub oder sonst eben ungesund welkes, krankes Laub, zu intensiven Duft ("aber gerade das ist so schön!"), zu prunkvoller Blütenfülle oder zu protzigem Gesamtbild aus der Affäre zu ziehen. Tatsache ist, dass ich Rosen nicht sonderlich schätze. Ein paar dort und da mögen schön sein, aber Leute, denen Rosen gefallen, neigen zum Sammeln und mir gefällt es nicht, an sich schöne Stauden zum Beiwerk von Rosen zu degradieren. Außerdem haben Rosen Stacheln und ich mag es wirklich nicht, beim Rückschnitt von Stauden ständig gepiekst zu werden. Wie Leute mit vielen, wirklich vielen Rosen das überleben, ohne dauerfluchend durch den Garten zu springen, weil Hände/Arme/Beine/Fußsohlen durchstochen wurden, ist mir ein Rätsel.


Mittlerweile habe ich schon mehrere Leute getroffen, die meine Neigung - nämlich nicht vorhandene Begeisterung für Rosen - teilen. Sie alle kennen das Phänomen, von RosenliebhaberInnen in die Mangel genommen zu werden, wie man es wagen könne, die Königin der Blumen zu verachten. Letztens meinte jemand, Rosen seien anmutig und zart. Wildrosen vielleicht, aber Rosen generell? Ihr Duft überlagert andere Geruchsnoten, ihre Farbe bestimmt ganze Gartenteile und ihr Wuchs verdrängt alles, was wirklich zart ist. Überhaupt, der Wuchs von Rosen: Entweder sie mickern wenigblättrig vor sich hin, oder sie verschlingen das gesamte ihnen zugedachte Beet, inklusive mit ihnen kombinierter Stauden, Rankhilfen (-hilfen! Als ob eine in Fahrt geratene Rosen Hilfe benötigt. Eher der Besitzer), Rosenbögen oder am Ende Bäume, falls man Rambler gepflanzt hat. Es gibt bei Rosen und ihren LiebhaberInnen ganz offensichtlich keine Mittelwege: Entweder mickern oder wuchern, keine Rosen oder gleich alle Beete voll mit ihnen.


Leider ist die einzige Gruppe von Rosen, zu der ich eine neutrale Beziehung aufbauen kann, jene der kleinblütigen, kleinblättrigen und wildhaften Rosen, die alle ungeliebten Eigenschaften ihrer Gattung in multiplizierter Form in sich vereinen, allerdings mit den Vorteil, zumindest nicht protzig zu sein. Oft blühen sie auch freundlich weiß oder sonstwie gedecktfarbig, sodass sie zumindest farblich keine Katastrophe darstellen. Wenn sie ungefüllt sind, werden sie außerdem von Bienen geliebt und meist sind sie nur einmalblühend, sodass ihr Auftreten auf wenige Wochen im Jahr beschränkt ist.

Problematischerweise bekommt man als Gartenbesitzerin gerne mal Rosen angetragen oder es wird der störende Rosenmangel im Garten angesprochen. Daher muss ich es einmal sagen: Ich habe noch nie eine Rose gekauft und ich habe auch nicht vor, das in der nächsten Zeit zu tun. Seltsamerweise werden Rosen, die ich geschenkt bekomme und die dann von mir lieblos in die Erde gestopft werden, nie Wasser sehen und jeden Frühling erst sanft, ab dem fünften Stachelstich mit zunehmender Wut brutal geschnitten werden, am allerschönsten. Obenstehendes Bild mit Allium im Vordergrund zeigt das deutlich: Im Sommer immer völlig von Stauden verwuchert, gedeiht diese Rose prächtig. Seither fragt dauernd jemand nach, welche Rose das sei, ob sie dufte (weiß der Himmel, man kommt nicht ran ;-)) und was ich mit ihr mache. Es wäre glaubwürdiger für mich und mein Rosenproblem gewesen, ich hätte sie nicht gepflanzt.


Und manche Rosen passen dann ja wirklich gut. Hier etwa Rosa glauca zusammen mit Aconogonum 'Johanniswolke' und rotem Prunus im Hintergrund, der die rote Blattfarbe elegant aufnimmt.
Ansonsten gehen alle Rosen im Garten auf das Konto meiner Mutter, die in jede Ecke eine Rose zwängt und beeindruckende Kreativität darin entwickelt, das Wachstumspotential ihrer Schützlinge zu verheimlichen. Als Folge davon ist unser Apfelbaum von 'Bobby James' begraben, sämtliche Rosenbögen sind im Bikini nicht passierbar, ohne fragwürdige Blessuren davonzutragen und enge Passagen werden immer enger, weil niemand mehr nahe an Rosen heranmähen oder dran vorbeigehen möchte. Daher gebe ich mir größte Mühe, in meine Beete keine weiteren Rosen einziehen zu lassen - denn es soll auch Gärten ohne Rosen geben.

Zuletzt muss ich natürlich zugeben, dass ich Rosen zwar wirklich nicht sehr schön finde, sie aber zweifellos zur Beliebtheit der Gattung Geranium beigetragen haben. Insofern bin ich ihnen zu Dank verpflichtet. Dazu dürfen sie aber gerne in anderen Gärten bleiben, wo ich sie nicht das ganze Jahr sehen und mich stechen lassen muss.

Kommentare:

  1. Suuuper Artikel, Katrin!! Du hast vollkommen recht, man darf jede Pflanze nicht mögen, nur die Rose nicht. Ich mag Rosen zwar, und habe auch zwei Kletterrosen, aber irgendwie nerven sie mich auch kolossal, sobald sie wild in der Gegend herumhängen, mich mit ihren Stacheldrahtzweigen malträtieren und krankes Laub bekommen.
    Aber meine Rosa multiflora, das ist mein absoluter Liebling, der widme ich demnächst noch einmal einen Artikel auf meinem Blog.
    LG
    Elke

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  2. Haha, super geschrieben Katrin! Ist doch schön ,dass es verschiedene Vorlieben gibt, auch ich bin dafür dass Toleranz aim Garten einkehrt und wunderbar, dass es so viele verschiedene Geschmäcker gibt und wir uns auch draußen kreativ austoben können :-)
    Meiner scheinen ja ziemlich von deinem abzuweichen, ich mag z.B. mehr vom selben sehr und hab gleich 15 große englische Strauchrosen im Halbkreis nebeneinander gepflanzt, zu deren Füßen sich jetzt ein breiter Teppich mit blühender Katzenminze ausbreitet.
    Gerade deswegen liebe ich glaube ich deinen Blog so, weil ich gerne sehe, welchen Zugang andere haben und welch schöne Gartenlandschaften jenseits meines Geschmacks entstehen können. Also keine Sorge, ich gehöre jedenfalls zu den Rosenliebhaberinnen und hab sie in allen Farben und Größen im Garten (zur Gartenarbeit trage ich grundsätzlich die dicken Gummihandschuhe, da es überall am Boden irgendwelchen dornigen Schnitt gibt und trotzdem stechen sie)
    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  3. Sehr schön Katrin, ich denke ganz ähnlich, bin aber als liebevoller Ehemann kompromissbereit was die Wünsche meiner GG(Göttergattin)angeht. Übrigens, ich bin schon mehrmals in Diskussionen verwickelt worden, die sich um die Unverzichtbarkeit von Phlox drehten. Zum Schluss sage ich dann gerne: Ein Sommer ohne Phlox ist machbar, Herr Nachbar!
    Und noch etwas:
    Ikeamäßig frage ich: Studierst du noch, oder schreibst(fotografierst) du nur?

    schönen Gruss vom Niederrhein
    Hermann

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  4. Bin auch Deiner Meinung! Ich habe zwar auch ein paar Rosen im Garten, aber meine Lieblingsblume ist es gerade nicht, warum kann ich nicht sagen, aber ich mag zum Beispiel Pelargonien viel lieber. Außerdem sind mir Rosen vielfach zu pflegeintensiv.

    lg kathrin

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  5. Katrin, ich habe mich sehr über deinen Post amüsiert und fühle mich ertappt! Ich gehöre nämlich zur Fraktion der Rosensammler...je größer, um so besser ;-)
    Aber ich kann auch jeden verstehen, der den Stachelmonstern nicht allzuviel abgewinnen kann. Jeder soll mit seinen Pflanzen glücklich werden,das macht die Vielfalt unserer Gärten aus und das finde ich toll.

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  6. Oh eine Antirosenklatsche, na da bist du ja bei mir gerade richtig, ich mit meinen vielen Rosen... ;-), an deren Anmut ich mich zugegebener Maßen sehr erfreuen kann. Tatsächlich wird man zum Sammler, allerdings scheint mir das bei Geranium-, Hemerocallis-, Hosta-, Papaver-......Liebhabern ganz genauso zu sein... so ist das eben die Schönheit der Natur, von der wir nicht genug bekommen können...Meine Ambitionen im Garten sind eher entspannter Natur, ich schätze meine Pflänzchen sehr, egal welche Farbe, Form oder Wuchsart- zumal jede Pflanze ihren Auftritt verdient hat und wir einfach nur dafür dankbar sein sollten, dass es sie gibt. Viele Grüße Annette

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  7. Danke für eure Reaktionen und dann erst die vielen Klicks... Rosen wirken irgendwie als Magnet, scheints ;-).

    Elke, danke! Rosa multiflora finde ich auch ganz nett, weil die Bienen sie so lieben und weil sie hübsche Hagebutten kriegt. Außerdem stachelt sie kaum, zumindest unsere.

    Elisabeth, natürlich darf jeder seine Lieblingspflanzen sammeln, genau das macht unsere Gärten ja verschieden und damit ganz individuell schön. Aber es ist doch auffällig, dass man Rosen schön finden "muss" *grins*.

    Hermann, momentan fotografiere und gärtnere ich "nur", studieren ist vorbei! Yes!
    Dann gibt es also doch Leute, die andere Pflanzen auch unverzichtbar finden. Klar gehts ohne Phlox, es geht sogar ohne Geranium ;-), nur bei mir eher nicht.

    Kathrin, die Pflegeintensität würde mich bei Rosen auch nerven. Alles, was irgendwie besonders ist, spinnt leicht und kriegt allerlei Getier. Darum wundert es mich so, dass Rosen so beliebt sind!

    Chagall, genau meine Meinung :-).

    Annette, eigentlich mag ich auch fast alle Pflanzen, sie sind auf ihre eigene Weise alle schön. Auch Rosen an sich sind schön, aber ich finde sie schwer in Beete zu integrieren, ohne ihnen alles unterordnen zu müssen. Und alleine in der Wiese finde ich sie noch unschöner. Daher: Lieber Geranium, Hemerocallis, Hosta, Papaver und was sonst noch so alles wächst. Es ist ja für jeden genug da :-). Und ich bin für jedes Pflänzchen dankbar, das wächst, aber manche erfreuen mich eben mehr als andere.

    Liebe Grüße, Katrin

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  8. Hallo,
    jetzt bin ich mal ausnahmsweise in einem Perennial-Blog gelandet (aufgrund der Anti-Rosen Kampagne). Geranium ist O.K. (als Begleiter) :-).
    Übrigens habe ich festgestellt, dass die Röskes höher wachsen, wenn sie Licht-Konkurenz haben......und als Bodenbeschatter sind sie ohnehin nicht zu toppen.
    ...und ein paar Rosen runden die Sache doch ab.
    Also plädiere ich wie immer für 'Diversity', nicht nur bei der Pflanzenzucht.

    ...und noch geiler ist es, wenn mann 'Raritäten' hat, die sonst keiner besitzt. Also fangt man auch an zu brüten.

    Happy Gargening
    BeMo

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  9. Naja, zum Rosenmord habe ich ja noch nicht aufgerufen, das würde zu einer richtigen Anti-Rosen-Kampagne unbedingt dazugehören ;-). Dass man Rosen zu sammeln beginnt, kann ich gut verstehen, ich sammle ja so gut wie alle anderen Pflanzen, aber warum sie jedem gefallen müssen, erschließt sich mir nach wie vor nicht.

    Es ist für mich auch Vielfalt, wenn es mal wo weniger Rosen gibt (keine, das stimmt ja nicht. Es gibt in unserem Garten jede Menge von ihnen).

    Aber es ist schön, dass meine Übertreibungen im Text so tolle reale Bestätigung erfahren *lächel*.

    Ganz liebe Grüße, selbstverständlich auch an Rosenfreunde,

    Katrin

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  10. ich habe viele jahre lang rosen gar nicht gemocht.
    dann geduldet und inzwischen mag ich sogar einige.. und man höre und staune, ich hab sogar welche gekauft.

    meine vor jahren antipathie hat sich zwar nicht in eine totale begeisterung gewandelt, aber ich habe bestimmte rosen schätzen gelernt.
    und meine vor noch wenigen wochen bekennende äusserung:" wenn schon rose dann aber bitte nicht in gelb oder orange" habe ich revidiert.. indem ich diese woche hingegangen bin und mir.. "und jetzt erst recht" orange rosen geholt habe (für mein frustbeet.. wo eh alles seit 2009 blöd drin aussieht)
    das hätte mir mal einer vor 4 oder 5 jahren erzählen sollen.. dass ich rosen kaufe...

    tja, so kann's gehen :D
    lg
    alke

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  11. Wer weiß, falls es mir auch mal so geht, dann erzähle ich es euch natürlich :-).

    LG und danke für diesen Wandlungsbericht!

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  12. Selten so gelacht beim lesen eines Posts!
    Dein Beitrag ist einfach grosse klasse - die riesenblütigen Edelrosen samt staksigem Wuchs mag ich auch heute noch nicht, obwohl ich mich vom Rosenhasser zur Rosenliebhaberin entwickelt habe. Angetan haben es mir die einfachblühenden, fast stachelosen Moschatas, alle Hagebuttenrosen und die englischen Duftrosen. Rosa Glauca wächst auch bei mir - die ist einfach toll!
    Kranke Mickerlinge haben bei mir keine Chance, die werden alle ausgegraben und verschenkt, nur was ohne Chemie auskommt darf bleiben....
    LG Carmen
    Und...ohne Stauden gehts nie und nimmer, wie langweilig reine Rosenbeete doch aussehen...

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  13. super Kathrin - ein wirklich witziger Post!
    Grad die Tage ging ich sinnend durch den Garten, warum bei mir wohl so wenig Rosen wohnen...?
    Ganz ohne Rosen geht es bei mir nicht - ein paar Rambler müssen schon sein und die Bäume sind stark genug, das auszuhalten. Was wäre die alte immergrüne Monster - Chamaecyparis ohne ihre Krohne aus Rose Bobby James...?
    Was wäre der (schon vorhanden gewesene) Rosenbogen ohne Guirlande d´amour (die hat übrigens von ganz unten wieder ausgetrieben, nachdem der Spätfrost sie fast umgebraucht hat - wohlgemerkt, der Spätfrost, nicht ich).
    Ein paar Austin und die wunderschöne Rosa rugosa Roseraie de l´Hay habe ich auch. Grad die Rosa rugosa liebe ich sehr - so ziemlich das einzige Grüne, was unsere Hühner im Gehege leben lassen.
    Dein Tag der offenen Tür wird sicher ein Mega-Ereignis! Viel Freude und viele Besucher und viele interessante Gespräche!
    Ich liebe Deinen Garten und Deinen Blog!
    Viele Grüße von Renate

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  14. Hallo Kathrin
    Bin gerade über Carmen vom Schweizer Garten zu Dir gelangt. Genial geschrieben! Und ich geb's zu, zur Gattung Sammlerin zu gehören... wo's nur geht, wird noch eine Rose reingestopft... ob es ihr gefällt oder nicht :o)... meistens eher nicht. Ich finde auch, man sollte niemandem seinen eigenen Geschmack aufzwingen. Das ist doch gerade das schöne am Gärtnern, man kann frei gestalten und rumspielen ohne dass einem jemand dreinredet (öhm, meistens).
    Danke für das Grinsen, dass Du mir mit diesem Post gerade ins Gesicht gezaubert hast.
    En liebe Gruess
    Alex

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  15. Hallo Katrin,

    lustig - ich kam auf demselben Weg :-) Und gehe vollkommen einig mit Dir - Rosen sind kolossal überbewertet.... Noch kann ich nicht mit einem tollen Garten angeben, unserer ist eine Art Rasen- und Heckenwüste, aber - in Planung sind wir schon mal. Schön, dass es auch zum Thema Garten so tolle Blogs gibt!

    LG Angela

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